Home > Information > Verharmlosung

Verharmloser, Gesundbeter und vor allem Standortsucher führen die Bevölkerung immer wieder mit dem Argument an der Nase herum, dass unterhalb einer Mobilfunkantenne die Strahlung am schwächsten sei.          ( von Hans-U. Jakob, 7.11.09 )



Elektrosensible Menschen, die dies nicht bestätigen wollen, werden als typische Beispiele eingebildeter Kranker und Psychopathen hingestellt und durch den Kakao gezogen. Tunlichst verschwiegen wird dabei, dass jede Mobilfunkantenne sogenannte Nebenkeulen entwickelt, die in gewissen Winkeln ganz schön nach unten strahlen. 

Die Grafik oben zeigt das typische Strahlungsbild einer Mobilfunkantenne von der Seite gesehen. Dort wo das Blau am dunkelsten ist, ist die Strahlung am stärksten. Die Hauptkeule hat in diesem Beispiel effiziente Bodenberührung in einem horizontalen (nicht radialen) Abstand zwischen 80 und 180m zur Antenne. Der aufmerksame Betrachter findet aber auch 2 Nebenkeulen die bei 18 und bei 35m horizontalem (nicht radialem) Abstand am Boden ankommen. 

Die untere Grafik im Bild oben zeigt den Strahlungsverlauf in V/m (Volt pro Meter) für einen Getroffenen, der auf eine Mobilfunkantenne zugeht. Die rote Ganglinie ist für einen Fussgänger am Boden und die schwarze Linie für einen Vogel, der exakt im Zentrum der Hauptkeule auf die Antenne zufliegt, aufgezeichnet. 
Es ist sehr eindrücklich zu sehen, wie der Fussgänger, welcher bei 80m die Hauptkeule überwunden hat, im Abstand von 35m zur Antenne und dann wieder bei 18m ganz schön von 2 Nebenkeulen getroffen wird. 
Dazu ist zu bemerken, dass diese Grafik seinerzeit für eine Antenne erstellt wurde, die eine abgestrahlte Leistung ERP von 1000Watt aufweist. Heute sind jedoch 3000 bis 4000Wattb ERP pro Sektor keine Seltenheit mehr. Das bedeutet, dass sich die Strahlungsintensität in V/m gemessen gegenüber dieser Grafik verdoppeln kann. 
Hinweis für Schnöder und Besserwisser: Die obigen Grafiken stammen nicht von Gigaherz, sondern vom Schweizer Bundesamt für Umwelt BAFU.

Achtung: In der Schweiz werden über 25 verschiedene Antennentypen eingesetzt. Jeder Typ bildet wieder andere Nebenkeulen in anderen Richtungen. Im Bild oben ist das Vertikaldiagramm (von der Seite gesehen) des Typs Kathrein 742236 im 1800MHz-Band abgebildet. 
Das Diagramm zeigt nicht etwa die Beziehung Strahlungsintensität zu Abstand, sondern wie die Strahlung in welchem Winkel zum Betrachter gedämpft (gemindert) wird. Horizontal, das heisst mitten im Hauptstrahl ist die Dämpfung logischerweise 0dB (Dezibel) oder Faktor 1. Im Winkel von 40° abwärts beträgt die Dämpfung infolge einer ausgeprägten Nebenkeule nur 10.5dB oder Faktor 11. Erst im Winkel von 60° nimmt die Dämpfung auf 25dB oder Faktor 316 zu. Nach Weisung des BAFU darf jedoch nicht mit Dämpfungsfaktoren von über 15dB oder Faktor 32 kalkuliert werden. 
Weiter ist zu sagen, dass Mobilfunkantennen nie waagrecht ausgerichtet werden, sondern rein mechanisch schon 4° nach abwärts. Dazu kommt bei den meisten Antennen noch ein elektrisch fernsteuerbarer Winkel von 0 bis 10°. Es kann demnach vorkommen, dass die ausgeprägte Nebenkeule der Antenne 742236 nicht 40° sondern bis 54° nach abwärts zielt.  Ausnahme davon: Antennen die auf ansteigendes Gelände gerichtet sind. 

Antennendiagramme werden aus Verschleierungsgründen dem gewöhnlichen Publikum nicht zugänglich gemacht. Dazu braucht es beim Hersteller ein Passwort und dieses wird nur an Mobilfunkbetreiber und deren Trabanten herausgegeben. In der Schweiz gehören indessen Antennendiagramme zur Baupublikation und können von Anwohnern die ein berechtigtes Interesse daran nachweisen können, herausverlangt werden. Bei Gigaherz lagern unterdessen alle in der Schweiz gängigen Diagramme. Denn ohne diese ist eine Strahlenprognose für einen bestimmten Punkt schlicht nicht möglich. 


 

Kürzlich hat auch das Bayrische Landesamt für Umwelt die Nebenkeulen entdeckt und in obiger Grafik zu erklären versucht. Nicht ganz so schön und deutlich wie das Schweizer Bundesamt für Umwelt. 


Wenn man die Details 1 und 2 entsprechend vergrössert, sind auch hier die nach unten gerichteten Nebenkeulen schön zu erkennen. 
Übrigens: Schon die Neandertaler haben sich gegenseitig mit Keulen totgeschlagen. Also nichts Neues auf diesem Globus.